Organische Ursachen f. Schlafstörungen
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WDR Sendung vom 8.5.2003
Organische Ursachen für Schlafstörungen
von Monika Härle
Schlafapnoe: Wer unter vermehrter Tagesmüdigkeit, zunehmender Konzentrationsschwäche und einem schier unwiderstehlichen Tagschlafzwang leidet, kann unter Umständen an einer Schlafapnoe leiden. Diese Patienten schnarchen stark und unregelmäßig. Per definitionem wird von einer Schlafapnoe gesprochen, wenn der Schläfer mehr als zehn Atempausen pro Stunde mit einer Dauer von bis zu zehn Sekunden aufweist. Fünf bis zehn Atempausen pro Stunde gelten als unbedenklich, solange keine Begleitsymptome wie vermehrtes Schlafbedürfnis am Tage und Einbuße der Leistungsfähigkeit auftreten.
Verbunden sind diese Atemaussetzer mit einem Absinken der Sauerstoffsättigung im Blut und einem ernormen Blutdruckanstieg als körperliche Reaktion auf die Atempause. Abruptes Erwachen mit Atemnot kann die Folge sein. Häufig bemerken die Betroffenen die Atempausen jedoch selbst nicht, die mit Erstickungsanfällen einher gehen können meist aber ihre Partner, doch denen wird häufig nicht geglaubt! Es vergehen oft Jahre, bis ein Arzt aufgesucht wird, obwohl Herz-Rhythmusstörungen, arterieller Bluthochdruck und Herzinsuffizienz die Folge sein können.
Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine): Das Restless-Legs-Syndrom äußert sich vor allem in der Einschlafphase in Form von unangenehmen Missempfindungen in den Beinen verbunden mit einem intensiven Drang, die Beine zu bewegen. Häufig tritt die Krankheit auch in Kombination mit dem Syndrom der periodischen Bewegungen im Schlaf auf, bei dem es zu wiederholten kurzen Zuckungen in Beinen oder Armen kommt. Hierbei kann eine familiäre Häufung vorliegen oder auch eine Folge anderer Erkrankungen. Aus der Sicht der Neurowissenschaften liegt dem RLS eine Störung eines Überträgerstoffes (Dopamin) im Zentralnervensystem zugrunde, der unter anderem der Bewegungskontrolle dient.
Der gleiche Überträgerstoff ist auch an der Ursache einer Parkinson'schen Erkrankung beteiligt; ein Zusammenhang zwischen RLS und der Parkinson'schen Erkrankung besteht jedoch nicht. In den meisten Fällen liegt das RLS als idiopathische Form, also ohne erkennbare Ursache vor, jedoch müssen zur Diagnose unbedingt die symptomatischen Formen ausgeschlossen werden. Eine schwer gestörte Nierenfunktion, eine Zuckerkrankheit und eine Schwangerschaft stellen die wichtigsten Auslöser eines symptomatischen RLS dar, aber auch Vitamin B12-, Folsäure- und Eisenmangel tragen zur Verstärkung der Symptome bei.
Narkolepsie: Sie ist eine eher seltene Schlafstörung (etwa 0,1% der Deutschen leiden daran), bei der die Betroffenen teilweise mehrmals am Tage unbezwingbare Schlafattacken erfahren, die sie von einer Minute auf die andere in den Schlaf führen. Bei der typischen Narkolepsie fallen die Betroffen auch plötzlich um, da sie die gesamte Muskelspannung verlieren. Erstaunlicherweise verletzen sich die Erkrankten nur sehr selten, selbst wenn sie mitten beim Sport zusammenbrechen. Nach jeder Schlafattacke fühlen sich die Narkoleptiker erfrischt und ausgeruht. Nachts dagegen kommen sie kaum zur Ruhe. Besonders die Einschlaf- und Aufwachphasen sind von quälenden, so genannten hypnagogen Zuständen begleitet, bei denen Sinnestäuschungen erlebt werden, die aufgrund ihrer Qualität nicht von der Wirklichkeit unterschieden werden können. Als extrem beängstigend erleben Narkoleptiker die so genannten Schlaflähmungen, ein Phänomen, das beim Gesunden verhindert, dass er im Schlaf um sich schlägt oder den geträumten Wettlauf im Schlafzimmer mitläuft. Narkoleptiker erleben diese Starre bei vollem Bewusstsein - eine höchst unangenehme Erfahrung. Es wird vermutet, dass Narkolepsie auf eine neurologische Störung zurückzuführen ist.
Somnambulismus (somnia, lat.: Schlaf, ambulare, lat.: wandern, wandeln): Untersuchungen weisen darauf hin, dass Schlafwandeln vererbt werden kann. Auch eine Unreife des zentralen Nervensystems wird vermutet, die eine aus dem Tiefschlaf erfolgende unvollständige Weckreaktion hervorruft: Die betroffene Person verlässt nachts im Tiefschlaf mehr oder weniger regelmäßig das Bett und irrt mit ausdruckslosem Gesicht umher. Am nächsten Morgen sind die nächtlichen Aktivitäten dann vergessen (retrograde Amnesie). Das berühmte "auf dem Dach stolzieren" kann dabei zwar durchaus auftreten, ist jedoch nicht der Regelfall. Häufig wird vermutet, dass Schlafwandler sich mit "schlafwandlerischer Sicherheit" bewegen und nicht verletzen können. Das stimmt nicht - es kann durchaus zu schweren Verletzungen kommen, insbesondere nach Fensterstürzen. Darum besteht auch besonders in diesen Fällen dringender Therapiebedarf. Schlafwandeln findet meistens im ersten Drittel der Nacht statt und kann bis zu einer halben Stunde andauern. Meist sind es Kinder und nur selten Erwachsene, die unter Somnambulismus leiden. Schlafwandeln tritt häufig auch bei emotionalen Belastungen, Stress und Übermüdung auf. Somnambulismus kann zu den organisch bedingten Schlafstörungen gezählt werden, obwohl die Ursachen bis heute nicht einwandfrei geklärt sind.
Herz-Rhythmusstörungen: Diese können Schlafstörungen durch nächtliche Schweißausbrüche, Herzklopfen verbunden mit Angstattacken verursachen.