Soziale Infrastruktur


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Selbsthilfetag Kiel 25.08.2006

Schlaflabor für Zuhause



25.05.2010
„Soziale Infrastruktur geht in die Knie“


Der PARITÄTISCHE besorgt über Folgen der Sparpläne


Protestaktion im Juni


Gelegentliche Einschlafstörungen oder Alpträume kennt fast jeder. Doch etwa jeder zehnte Deutsche leidet unter ernsthaften Schlafstörungen. Alltagssorgen und Stress lassen viele Menschen auch nachts nicht los. Ursache sind oft Erkrankungen



Es gibt über 80 unterschiedliche Formen von Schlafstörungen. Relativ häufig sind Ein- und Durschschlafstörungen als Folge psychischer Belastungen aber auch körperlicher Erkrankungen. Sie können auf Depressionen und Angststörungen hinweisen oder auf einem Schilddrüsen-, Herz oder Atemwegsleiden beruhen. Beim Restless-legs-Syndrom zum Beispiel quälen den Schläfer ruhelose, kribbelnde Beine. Unter Schnarchern weit verbreitet ist die sog. obstruktive Schlafapnoe. Dabei engt ein zurückfallendes Gaumensegel den Luftweg im Rachen-Halsbereich ein und führt zu kurzen Atemstillständen. Ein Mangel an Melatonin führt oft zu Störungen



Auch der Mangel des Hormons Melatonin soll für Schlafstörungen mit verantwortlich sein. Melatonin wird im Gehirn gebildet und hauptsächlich nachts ausgeschüttet. Es senkt die Körpertemperatur und verlangsamt den Körperstoffwechsel, so dass der Mensch schlafen kann. Gegenspieler des Melatonins sind die Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Überwiegen ihre Wirkungen, kann es zu Schlafstörungen kommen.



Bei dauerhaften Schlafstörungen leiden die Patienten am Tage unter Erschöpfung, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen und mangelnder Leistungsfähigkeit in Beruf und Alltag. Müdigkeit und der sogenannte Sekundenschlaf sind häufige Ursachen für Verkehrs- und Arbeitsunfälle. Um diese Komplikationen zu vermeiden, sollten Schlafstörungen gründlich abgeklärt werden. Der Arzt muss sich dabei ein Bild über Begleiterkrankungen und persönliche Stressfaktoren machen. Schlafmedizinische Untersuchungen im Schlaflabor können organische Ursachen oder Störungen der nächtlichen Atmung (z.B. Schlafapnoe-Syndrom) diagnostizieren. Regelmäßige Schlafzeiten sind vorteilhaft



Gegen Ein- und Durchschlafstörungen helfen zahlreiche Methoden. Oft verbessert sich die Qualität des Schlafes allein durch den richtigen Umgang mit dem biologischen Rhythmus. Dies gelingt durch eine sinnvolle Aufteilung des Tages und regelmäßige Schlafzeiten. Schlaffördernde Entspannungstechniken und kleine Rituale vor dem Zubettgehen bereiten eine ruhige Nacht sanft vor.



Vorsicht ist hingegen bei synthetischen Schlafmitteln angebracht: Vor allem Benzodiazepine (z.B. Diazepam = Valium®) machen bei regelmäßigem Gebrauch abhängig. Wirksame Alternativen bietet die Natur: Johanniskraut, Hopfen, Melisse, Passionsblumenkraut und Baldrian haben sich seit Jahrhunderten als Schlafmittel bewährt. Schlafschulen helfen vielen Teilnehmern



Mittlerweile gibt es in einigen Städten Schlafschulen. Hier werden die Ursachen der Schlafstörungen analysiert und bewältigt. Seminare mit Informationen zu gesundem und gestörtem Schlaf sowie das Erlernen von Entspannungstechniken sind dabei zentrale Bausteine. Ein einfaches Konzept mit erstaunlichem Erfolg: etwa 90% der Schulungsteilnehmer können von der Schlafschule profitieren. Sie konsumieren im Anschluss wesentlich weniger Schlafmittel.



Spezielle Therapien stehen beim Restless-legs Syndrom zur Verfügung: Vor allem haben sich Antiparkinsonmittel bewährt. Zur Behandlung der Schlafapnoe empfiehlt sich die nächtliche Maskenbeatmung. Nur selten wird noch eine Operation mit Entfernung von Teilen des Gaumensegels durchgeführt.



Einem möglichen Melatoninmangel wollen einige Ärzte mit einem Hormonersatzpräparat (z.B. Melachron®) begegnen, das allerdings in Deutschland nicht zugelassen ist. Mit einem Rezept ist aber die Bestellung über eine internationale Apotheke möglich. Testverfahren sollen herausfinden, welche Patienten einen Mangel des Hormons haben. Allerdings gibt es bislang nur wenig Erfahrungen mit dem Medikament, Langzeitfolgen sind noch nicht abzusehen. Deshalb sollten Melatoninprodukte nur unter Studienbedingungen eingenommen werden.


Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Dr. Jürgen Zulley

Schlafmedizinisches ZentrumBezirksklinikum Regensburg

Universitätsstraße

8493053 Regensburg

Telefon (0941) 941-15 00

Fax (0941) 941-15 05

E-Mail: info@dags.de

Internet: www.dags.de


Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Günter Spatz

Hemmstraße 345

28215 Bremen

Telefon (0421) 35 35 35

Fax (0421) 35 78 04

Dr. Monika Kohlhage

Schlafmedizinisches Zentrum Hamburg

Diakonie Krankenhaus Alten Eichen

Jüdländer Allee 48

22527 Hamburg

Telefon (040) 54 87-20 81

Fax (040) 54 87-20 89

Infos zur ambulanten Schlafschule

Pressemitteilung des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein vom 25.05.2010

Der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein sieht die heute vorgestellten Sparvorschläge der Haushaltsstrukturkommission mit großer Sorge: Die in dem Papier vorgesehene Kürzung der Landeszuschüsse brächte so tiefe Schnitte ins soziale Netz mit sich, dass es kaum mehr tragfähig sei. So reduziert sich der Soziale Vertrag  I - aus diesem Topf werden vor allem Selbsthilfeprojekte und ehrenamtliche Aktivitäten bezahlt -  deutlich von 3,6 auf zwei Millionen Euro. Damit werde die Grundlage vieler Hilfsangebote unwiederbringlich vernichtet, zahlreiche Arbeitsplätze seien in Gefahr. Der Dachverband, dem im Land etwa 500 Mitgliedsorganisationen aus allen Bereichen der sozialen Arbeit angehören, werde das nicht tatenlos hinnehmen, erklärt der Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Günter Ernst-Basten. Er kündigte unter anderem eine Protestaktion für Mitte Juni an.

„Wenn die soziale Infrastruktur in die Knie geht, bleiben Menschen in Not allein“, sagt Ernst-Basten. Wenn die Landesregierung und das Parlament den von jetzt vorgezeichneten Weg weitergehen, trügen sie dazu bei, die gesellschaftliche Balance weiter aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Kürzungen seien auch ökonomisch unsinnig, so Ernst-Basten. „Die Angebote vieler Beratungsstellen wirken vorbeugend. Wird hier gekappt, wachsen die Kosten an anderen Stellen und dort umso stärker.“ Der Verband wolle in den kommenden Wochen mit Parlament und Regierung ins Gespräch kommen und nach einer einvernehmlichen Lösung suchen.

Kiel, 25. Mai 2010